Expertenwissen Mumijo Shilajit

Entstehung und Arten

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Um die Entstehung von Mumijo ranken sich viele Mythen; erfahren Sie hier mehr über die Theorien zum Ursprung von Mumijo und seine Arten.

Wie entsteht Mumijo? Die drei wissenschaftlichen Theorien

Mumijo/Shilajit ist eine sehr komplex zusammengesetzte Substanz in unterschiedlichsten Erscheinungsformen. Trotz genauer botanischer und geologischer Aufnahme der Vorkommen kann man noch keine endgültige Aussage über den exakten Entstehungsprozess treffen.

Wissenschaftlich gesichert sind die mindestens notwendigen Standortvoraussetzungen:

  • Allen Fundstätten ist gemeinsam, dass sie einer langen und intensiven Sonnenbestrahlung unterliegen und dass die Luft in diesen Regionen besonders sauber ist.
  • Es findet sich fast nur an den Südhängen der Berge, nie an Nordhängen.
  • Geologen haben beobachtet, dass Mumijo/Shilajit nur während der Sommermonate aus dem Gestein quillt, da temperaturbedingt die Viskosität sinkt und die Substanz zu fließen beginnt. [15] 

In der Mumijo/ShilajitForschung gibt es historisch bislang zwei grundsätzliche Theorien und seit 2017 eine dritte zur Entstehung:

  • Die erste Theorie geht von einem rein pflanzlichen Ursprung aus, die zweite von einem rein tierischen.
  • Aufgrund der Schwächen beider Theorien, die bestimmte Eigenarten nicht erklären können, wird mittlerweile eine dritte Theorie diskutiert, die durch wissenschaftliche Untersuchungen eine gewisse Plausibilität hat: der wahrscheinlich fossile Ursprung. 

Theorie 1: Der rein pflanzliche Ursprung

In der indischen Fachliteratur wird immer wieder der Begriff „Humus“ gebraucht, die Entstehung ist einer Art „Kompostbildung“ nicht unähnlich.

Die Fürsprecher eines pflanzlichen Ursprungs argumentieren mit dem Gehalt an Inhaltsstoffen, wie sie nur in Pflanzen vorkommen, wie zum Beispiel Alkaloide, sowie mit der kompakten gummiartigen Erscheinung von Mumijo/Shilajit, das mit organischen Fasern, Sand und sonstigen Erdbestandteilen durchsetzt ist.

Die mikroskopischen Befunde der Rückstände und die physikalische Beschreibung lassen diesen Schluss zu. Es ist keine vergleichbare Substanz aus dem Tierreich bekannt, die ein Gel dieser Art und mit diesen Eigenschaften bildet. 

Theorie 2: Der tierische Ursprung – besteht Mumijo aus Fledermauskot?

Das chemische Argument für einen tierischen Ursprung

Die chemische Beschreibung der wässrigen Lösung spricht jedoch auch für einen tierischen Ursprung, da im wässrigen Auszug sowohl Hippursäure als auch albuminoide Eiweißstoffe bereits in den 50er Jahren nachgewiesen wurden.

Sollte Hippursäure aus dem Zerfall pflanzlicher Eiweißstoffe ohne tierischen Zusatz entstehen, müsste die gefundene Eiweißmenge in Mumijo/Shilajit für einen rein pflanzlichen Stoff laut Literatur aber unverhältnismäßig viel größer sein.

Eigene Untersuchungen des Autors ergaben auf der einen Eiweißanteil von fast 28,5 % Roheiweiß, bestimmt mit der Kjeldahl-Methode, die allerdings den Nachteil hat, unselektiv nur Stickstoffverbindungen zu erfassen.

Die Theorie der „Guano-Bildung“ [10]

Die Theorie vom tierischen Ursprung geht einen sehr einfachen Weg und kann als Vergleich zur Guano-Bildung gesehen werden. Es wird davon ausgegangen, dass es sich um tierische Exkremente handelt, die durch Regen aus den Bergen ausgewaschen werden und in den Spalten und Ritzen der Gesteine als Rückstände zurückbleiben, durch die Sonnenwärme getrocknet werden und eine Art Trockenrückstand bilden. Eine der wenigen neueren deutschsprachigen Publikationen [10] stützt diese These.

Warum die Exkrement-Theorie entscheidende Schwächen hat

Diese Theorie hat jedoch einige ganz entscheidende Schwächen:

  • Mangelnde Nahrungsgrundlage: Zum einen sprechen die Fundorte zu einem großen Teil dagegen: In den Höhenlagen von über 4000–5000 m ist die Populationsgröße, also die Anzahl der höheren Tiere, die eine so große Menge an Exkrementen ausscheiden könnten, in aller Regel mangels Nahrungsgrundlage nicht ausreichend.

  • Fehlende Stoffwechselprodukte: Keusgen [10] berichtet vom Vorkommen von Pfeifhasen und Kleinnagern, deren Kot sich in Spalten sammelt und dort mumifiziert. Sollte diese Theorie stimmen, müssten aber weitere typische Stoffwechselprodukte, die ausschließlich bei Tieren vorkommen, in großen Mengen nachweisbar sein, was nach Kenntnis des Autors nicht der Fall ist.

  • Fundorte an Decken und Wänden: In Höhlen wird Mumijo/Shilajit nicht nur vom Boden ausgegraben oder aufgelesen (wo eine Verunreinigung beispielsweise durch Fledermäuse, Hasen oder Kleinnager möglich und wahrscheinlich ist!), sondern auch von Wänden oder Decken gekratzt. Dank des Internets gibt es mittlerweile interessantes Filmmaterial, das zeigt, wie Mumijo/Shilajit aus Felswänden austritt [11].

Der Verdacht des Autors: Kontaminierte Proben in der Literatur

Der Autor hat den Verdacht, dass in der Vergangenheit kontaminierte Proben untersucht wurden und der Gehalt an tierischer Substanz als originär angesehen wurde, obgleich es sich dabei nur um nachträgliche Rückstände handelte.

Interessanterweise findet man in der Literatur fast keine Hinweise auf eine sortenreine, hygienisch einwandfreie Probenziehung – dieses besondere Verfahren, das in der Praxis allerdings auch schwierig durchzuführen ist, findet bisher keine Berücksichtigung.

Wissenschaftlicher Fakt: Die oft verbreitete Behauptung, Mumijo sei schlicht der Kot von Fledermäusen oder Nagern, hält einer Mengenberechnung in den extremen Höhenlagen des Himalaya nicht stand.

Theorie 3: Das fossile Naturwunder aus dem Urmeer (wahrscheinlichste Theorie)

Seit 2017 gibt es noch eine weitere Erklärungsmöglichkeit, die sehr weit in die Erdgeschichte zurückreicht, [12] als die Kontinente zu driften begannen und das Tethysmeer (Abb. 2a-c), ursprünglich eine Bucht des Urozeans mit weiten und flachen Schelfen, zu einem eigenen Meer wurde, dessen Ausläufer bis nach Darmstadt reichten (die Grube Messel bei Darmstadt ist eine bekannte Fossilien-Fundstätte aus dieser Ära) und eine heute kaum vorstellbare Fülle von Leben beinhaltete. 

Abb. 2a-c: Kontinentalplattendrift, Indien vor 125, 45 und 20 mio Jahren

Die Entstehung des Himalaya-Gebirges

Reste der Tethys sind heute im Mittelmeer, dem Schwarzen Meer, dem Aralsee und dem Kaspischen Meer vorhanden,die Gebirgszüge, die durch Auffaltung entstanden und letztlich den gehobenen Meeresboden der Tethys zeigen, reichen von den Alpen bis zum Himalaya. Abb. 2d zeigt schematisch die Auffaltung des Himalaya.

In der Trias, dem Jura und der Kreidezeit (vor 250-66 mio Jahren) waren Ammoniten (Abb. 3) und Belemniten (Abb. 4) bestimmende marine Tierarten in diesem sehr flachen und warmen Meer. 

Wie die Entstehung von Kohle und Erdöl: Die Entstehung im Himalaya

Klimatische Bedingungen der Urzeit

Klimatisch war die Region damals tropisch, es gab große vulkanische Aktivität und sehr dichte Meteoriten-Schauer. Der Kontinentaldrift setzte vor ca. 135 mio Jahren ein (Abb. 2a) und der Urkontinent zerbrach. Indien war eine Insel und driftete nach Norden (Abb. 2b +2c). Durch den Zusammenstoß Indiens mit der Eurasischen Platte (Laurasia) wurde der Meeresboden unter die sich aufrichtende Kollisionszone (dem heutigen Himalaya) gedrückt und dort eingeschlossen.

Jahrmillionen alte Zersetzungsprozesse

Weitere mikrobiologische Aktivitäten bei der Zersetzung von Ammoniten und der zunehmende Druck durch das Gestein könnten Mumijo/Shilajit [13] geformt haben, analog zu Kohle und Erdöl, die ebenfalls fossile Produkte vergangener Jahrmillionen sind. Steinkohle ist älter, ihre Bildung wird im Zeitalter des Karbon angesiedelt, Braunkohle ist mit einem Entstehungszeitraum vor 5-60 mio Jahren deutlich jünger.

Der Unterschied zur Kohlebildung (Ursprung: Pflanzen) und Erdöl (Ursprung: Zooplankton und Algen) soll sein, dass hier Ammoniten der quantitativ wesentliche Faktor sind, und könnte auch die vielen Strukturen, die auf einen tierischen Ursprung hindeuten, erklären.

Die Annahme, es handele sich um tierische Rückstände, ist insoweit plausibel; dass es sich um Exkremente handelt, ist unter diesem Aspekt jedoch nicht haltbar: Mumijo/Shilajit wäre viel älter und gehört eher in die Kategorie Kohle, Erdöl, Braunkohle. 

Das „Umspritzen“ des Gesteins im Sommer

Der hohe Druck im Gestein, vorhandene Wärme durch geothermische Prozesse und hohe Temperaturen lassen im Sommer relativ dünnflüssiges Mumijo/Shilajit aus den Gesteinsritzen quellen: Dies wandelt sich anschließend bei Zutritt von Luftsauerstoff und mikrobiologischer Aktivität in seine bekannte Erscheinungsform. Abb. 5-1a–d zeigen Bilder von Fundstellen, auf dem Bild 5-2b sind sehr deutlich Mumijo/ Shilajit-Cluster zu sehen.

Der kosmische Beweis: Was Fullerene über Mumijo verraten

Fullerene sind besondere Kohlenstoff-Moleküle, die sonst vor allem in Meteoriten oder im Weltall nachgewiesen werden – ein starker Beweis für den fossilen, elementaren Ursprung.

Das Rätsel der fehlenden Kohlenwasserstoffe

Diese Theorie ist sehr plausibel, verbindet sie doch die beiden anderen Entstehungstheorien und erklärt vor allem auch die relativ großen Fundmengen, die in den beiden anderen Theorien sehr große Schwachpunkte sind.

Die relative Abwesenheit von niederen Kohlenwasserstoffen , wie sie im Erdöl vorkommen, wären ebenfalls durch die andere Basis erklärbar.  Der hohe Gehalt an Humin- und Fulvinsäuren passt ebenfalls sehr gut in die Hypothese „fossiler Ursprung“, somit ein überlegenswerter ergänzender Denkansatz zur Mumijo/Shilajit-Entstehung sein könnte.

Die Entdeckungen von Prof. Ghosal

Interessant und sehr gewichtig ist auch das von Prof. Ghosal, einem der weltweit führenden Mumijo/Shilajit-Grundlagenforscher, 2008 in Mumijo/Shilajit entdeckte Vorkommen bestimmter chemischer Verbindungen, sogenannter Fullerene.

Fullerene (Abb. 9), sind kugelförmige Moleküle, bestehend aus 60-70 Molekülen Kohlenstoff, und eine sehr stabile Form von Kohlenstoff, entstanden aus Graphit, ebenfalls eine Kohlenstoff-Modifikation. Diese Verbindung wies er sowohl in Meteoriten als auch in Ammoniten und im Mumijo/Shilajit nach und sie kann als ein sehr gewichtiges Indiz, wenn nicht sogar als Beweis für einen fossilen Ursprung gelten.

Der Kometen-Beweis von 2014

2014 wurde bei der spektakulären Landung einer Sonde auf dem Kometen Tschurjumow-Gerasimenko diese Stoffgruppe auch unter dem Eis des Kometen festgestellt. Insoweit ist die alte religiöse Vorstellung von der Herkunft von Mumijo/Shilajit „als etwas vom Himmel Geschicktes“ durchaus nachvollziehbar und erstaunlich zugleich. 

Abb.9: Fulleren Grundstruktur]

Die Tibet-Studie 2020: Der endgültige Beweis gegen die Exkrement-Theorie

Geologische Feldforschung in Tibet

Eine chinesische Forschergruppe veröffentlichte im Sommer 2020 eine außerordentlich interessante Arbeit [15] über die Mechanismen der Entstehung und Exsudation (Ausschwitzung, Ausscheidung) von Mumijo/Shilajit in einer tibetischen Region und nahm dabei auch auf die bei Keusgen zitierten Pfeifhasenkot Bezug.

Ihre Standortbeschreibungen mit dazugehörigen Bildern (Abb. 6a–b) die dieser Arbeit entnommen sind, erklären von selbst, dass die Theorie des Mumijo/Shilajits als Exkrement sehr wahrscheinlich aus einer offensichtlichen Beobachtung einen falschen Schluss zieht. 

Abb. 6a-b: Mumijo-Austritt aus einer Steilwand

Mikroskopische Analyse des Austrittsgebiets

Die chinesischen Wissenschaftler stellten fest: Austrittsspunkte von Mumijo/Shilajit fanden sich hauptsächlich an steilen Klippen (Abb. 7b und c), die nicht durch Regenwasser ausgewaschen werden konnten.

Erdgeschichtlich sind die Klippen der Trias zuzuordnen und bestehen aus Sedimentgestein und granitähnlichem Gestein, sind also etwa 200 bis 250 Millionen Jahre alt. Geologisch handelt es sich um Schiefer, kohlenstoffhaltigen Schiefer und sandigen Schiefer. 

Die Mikroskop-Bilder (Abb. 7 & 8) zeigen, dass Mumijo direkt aus den Felsspalten „schwitzt“.

Abb. 7b und c: Mumijo/ Shilajit -Austritt aus steilen Klippen

Die Hintergrundgesteine waren durch Poren, gelöste Poren und Bruchentwicklung gekennzeichnet. Organische Stoffe waren in diesen Poren und Rissen weit verbreitet (Abb. 7a).

Des Weiteren wurde festgestellt, dass die Substanz auf natürliche Weise aus Gesteinen entlang der Poren und der Strukturebene (Abbildung 8b und e) herausfließt und sich aufgrund der tektonischen Wirkung auf der Oberfläche des Gesteins sammelt. Abb. 8c zeigt eine mikroskopische Vergrößerung. 

Abb. 8 a bis f: Poren im Anschnitt

Die moderne Definition: Was genau ist Mumijo heute?

Die von D. D. Djenchorow 1995 auf einer Tagung in Bishkek formulierte Substanzbeschreibung von Mumijo/Shilajit als ein komplexes hochmolekulares organisch-mineralisches Stoffwechselprodukt aerober Mikroorganismen, entstanden im Verwesungsprozess[17] erscheint als guter Kompromiss der Zusammenfassung, bis neuere Ergebnisse die Substanz genauer beschreiben und die eine oder andere Theorie bestätigen werden.

Mumijo/Shilajit-Arten

Die Klassifizierung  ist eher historisch und basiert auf der äußeren  Erscheinungsform, bei den Punkten 3-5 ist fraglich, ob es sich wirklich um „Mumijo“ im engeren Sinne handelt oder um Modifikationen und/oder Zersetzungsprodukte.

Artscha-Mumijo/Shilajit: Harzähnliche, braun-schwarze Masse mit typischem aromatischem Harzgeruch, tritt als Verkrustung in Felsspalten auf. Diese Mumijo/Shilajit-Art wird von einigen Autoren nach dem chemischen Element Eisen auch als Iron-Mumijo bezeichnet.

Es gibt auch noch eine Varietät, die als rotes Mumijo oder Gold-Mumijo bezeichnet wird – aufgrund ihres Rotschimmers.

Im indischen Sprachraum existiert noch ein blaues Mumijo/Shilajit, das seine Färbung aufgrund eines erhöhten Kupfergehaltes haben soll. Es wird von einigen Autoren als Copper Mumijo beschrieben. Dem Autor ist über diese Varietät nichts Näheres bekannt.

Artscha-Mumijo ist die mengenmäßig am häufigsten vorkommende Mumijo-Art. Die Farbe hängt nach neueren Erkenntnissen auch wesentlich von der Dauer der Sauerstoffexposition ab: Mit zunehmender Zeit verdunkelt sich die Farbe von sandfarben nach dunkelbraun-schwarz. (Abb. 10)

Abb. 10: Artscha Mumijo, Blockware
  • Bitum-Mumijo: Flüssige bis wachsartige, dunkle Masse, tritt häufig an den Wänden von Höhlen und Spalten aus.
  • Honig-Wachs-Mumijo: Braune oder schwarze Masse, vermutlich Ausgangsprodukt von Wildbienen, das sich infolge der Zeit durch natürliche chemische Veränderung verfestigt. Unklar, ob es sich um Mumijo/Shilajit im engeren Sinne handelt.
  • Mineralisches Mumijo: Gekennzeichnet durch Fundorte in extremen Höhen. Schwarze Masse, entsteht nach neueren Theorien vermutlich durch Bakterien und niedere Algen in Verbindung mit einer großen Anzahl verschiedenster Mineralien unter starker UV-Bestrahlung. Unklar, ob es sich um Mumijo/Shilajit im engeren Sinne handelt oder eine Modifikation darstellt. 
  • Flechten-Mumijo: Als Stoffwechselprodukt von Flechten mit Bildung von flechtentypischen Eiweißen und organischen Säuren. Unklar, ob es sich um Mumijo/Shilajit im engeren Sinne handelt. 
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