Expertenwissen Mumijo Shilajit

Inhaltsstoffe

Inhalt

Ein detaillierter Einblick in die mineralische Vielfalt und das komplexe Gefüge organischer Verbindungen wie Humin- und Fulvinsäuren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mumijo enthält über 65 nachgewiesene Mineralien und Spurenelemente.
  • Humin- und Fulvinsäuren bilden das organische Herzstück und unterstützen den Nährstofftransport.
  • Erfahren Sie hier die wissenschaftlichen Fakten abseits des Marketing-Hypes.

In der ehemaligen Sowjetunion und ihren heutigen Nachfolgestaaten gibt es in den 50er bis 90er Jahren des letzten Jahrhunderts viele Angaben in der Fachliteratur über gefundene chemische Verbindungen in Mumijo/Shilajit.

Ab Mitte der 80er Jahre nach dem Niedergang der UdSSR hat sich die Grundlagenforschung nach Indien und die angrenzenden Länder verlagert. Die heutigen modernen Analyseverfahren gewähren genauere Einblicke in die Struktur von Mumijo/Shilajit. Besonders die Arbeitsgruppe um Prof. Ghosal an der University of Benares hat hier ab Ende der 1980er-Jahre absolute Pionierarbeit geleistet und für die Wirkung maßgebliche Substanzen analysiert. [21]

Grundsätzlich besteht Mumijo/Shilajit aus zwei verschiedenen Inhaltsstoffgruppen, wie sie in der Natur überall vorkommen. Eine davon sind die Minerale, die zweite sind die der kohlenstoffhaltigen Substanzen.

Welche mineralischen Inhaltsstoffe stecken in Mumijo (Shilajit)?

Im Jahr 1996 wurde eine Probe Mumijo/Shilajit untersucht. Die Tabellen 1 und 2 listen die gefundenen chemischen Elemente und die bestimmten Mengen auf.

Chemisches ElementGehalt [mg/kg]
Kalium60.000
Calcium27.000
Magnesium14.000
Schwefel6.000
Natrium4.100
Phosphor485
Aluminium225
Eisen173
Strontium145
Zink71,8
Mangan24,4
Barium15,5
Titan3,8
Kupfer2,7
Nickel2,5
Molybdän1,6
Jod1,5
Arsen0,8
Vanadium0,8
Antimon0,6
Chrom0,5
Selen0,5
Blei< 0,5
Zinn< 0,4
Cadmium< 0,2
Cobalt< 0,2
Fluor0,03
Germanium0,003

Tabelle 1: Nachgewiesene Mengen an anorganischen Bestandteilen in Mumijo/Shilajit

Chemisches ElementGehalt [mg/kg]
Bor23
Mangan21
Rubidium12
Lithium1

Tabelle 2: Ergänzend nachgewiesene chemische Elemente

Interessant ist der Gehalt an Schwefel, Eisen, Aluminium, Calcium, Kalium, Magnesium, Phosphor und vor allem an natürlichem Strontium, zu dessen Wirkung es interessante medizinische Studien zum Thema „Hungerosteopathie“  in der Sowjetunion gab. Der Gehalt an mineralischen Bestandteilen ist Schwankungen unterworfen, die von der jeweiligen Fundstelle bestimmt werden.

Die organischen Inhaltsstoffe: Was sagt die moderne Forschung?

Die organischen Inhaltsstoffe von Mumijo/Shilajit rückten erst mit der Verbesserung der analytischen Methoden bis heute ins Blickfeld der Forschung. Während die 1950er- und 1960er-Jahre noch geprägt waren von der Suche nach Mineralstoffen, so liegt heute das Hauptinteresse in der Suche nach organischen Verbindungen mit therapeutischer Wirksamkeit.

Seit etwa 1975 mit den ersten systematischen Untersuchungen durch Prof. Ghosal [21-23] wird im Hinblick auf die medizinische Nutzbarkeit von Mumijo/Shilajit fast ausschließlich nur noch über organische Komponenten und deren Wirkungen auf die unterschiedlichen Körperfunktionen berichtet.

Eine estnische Forschergruppe untersuchte 1994 am Chemischen Institut der Universität Tallin/Estland alkoholische Auszüge von Mumijo/Shilajit und konnte 65 organische Verbindungen identifizieren, [24] darunter 24 bislang noch nicht in Mumijo/Shilajit nachgewiesene freie Fettsäuren.

In Mumijo/Shilajit sind gesichert nachgewiesen: Kohlenhydrate, Wachse, Alkaloide, Lipide, Harze und Balsame, Steroide, Polyphenole, ätherische Öle und Vitamine der B-Gruppe.

Aminosäuren: Die Bausteine des Lebens in Mumijo

Aminosäuren sind Grundbausteine des Lebens, aus denen der Körper alle wichtigen Eiweißstoffe herstellen kann. In Mumijo/Shilajit konnten bisher in Spuren zwölf wichtige Aminosäuren nachgewiesen werden, darunter auch essenzielle: unter anderem Leucin, Methionin und Threonin. Weitere, nicht-essenzielle Aminosäuren, deren Nachweis möglich war, sind: Asparaginsäure, Arginin, Glutaminsäure, Histidin, Glycin, Prolin, Serin und Thyrosin. 

Je nach Herkunft und Fundort variiert die Zusammensetzung der Aminosäuren leicht, wie die folgende wissenschaftliche Analyse zeigt:

Proben-Nr.Asparagin
säure
ThreoninSerinGlutaminGlycinValinTyrosinLysinPhenylalanin
10,21750,8750,070,431,36250,07250,05250,1550
20,0950,03250,030,111,0250,050,052500,035
30,0750,03250,030,0111,0250,050,052500,035
40,220,0550,060,23251,650,08750,19500,054
50,02930,05280,03750,07250,310,0550,002500
60,01250,0250,03750,07250,310,0550,002500
70,06660,01280,01680,091,40,05750,207500

Tabelle 3: Gehalte einiger Aminosäuren in verschiedenen Mumijo-Varietäten in mg /kg

Was sind Huminsäuren und Fulvinsäuren?

  • Huminsäuren: Große Moleküle, die vor allem im basischen Milieu löslich sind.

  • Fulvinsäuren: Kleinere Moleküle, die auch im sauren Milieu (wie unserem Magen) stabil und hochaktiv sind.

Innerhalb der Gruppe der organischen Inhaltsstoffe ist eine Stoffgruppe besonders in das Blickfeld der Forschung gerückt: Die Huminstoffe, bestehend aus Huminen, Huminsäuren und Fulvinsäuren. Mumijo/Shilajit enthält eine große Menge davon, die ihm nicht nur seine Farbe geben. Mittlerweile erkennt man immer deutlicher, welche weiteren Wirkungen dem Huminsäurespekrtum zuzuordnen sind. 

Herkunft und Entstehung der Humin- und Fulvinsäuren

Begrifflich leitet sich das Wort „Humin“ aus dem lateinischen „Humus“ ab, was „Boden“ bedeutet und zugleich auch Hinweis darauf ist, aus welchem Material Ende des 18. Jahrhunderts das erste Mal Huminstoffe isoliert worden sind. Man geht heute davon aus, dass Humine 60–80 % des gelösten organischen Kohlenstoffs in Gewässern [25] und 70 % des gesamten organischen Materials ausmachen. [26]

Man muss Huminstoffe, die im Wasser gebildet wurden, von jenen unterscheiden, die im Boden entstanden sind. Mumijo/Shilajit gehört in die erste Gruppe. Huminstoffe im Wasser gehen auf Phytoplankton zurück, während Bodenhuminstoffe aus landlebenden Lebewesen entstehen. Obwohl das organische Ausgangsmaterial sehr unterschiedlich ist, weisen Huminstoffe aus Böden und marinen Sedimenten erstaunlicherweise viele Gemeinsamkeiten auf.

Das organische Material in Böden besteht im Wesentlichen aus abgestorbenen Resten von Laub, Wurzeln, Holz und Bodentieren sowie Mikroorganismen. Leitsubstanzen sind hier Cellulosen und der für Holz typische Inhaltsstoff Lignin. Marine Huminstoffe bilden sich beim Abbau toter mariner Organismen durch Bakterien, Ausscheidungen von Algen (photosynthetische Produkte) und Sekrete des Planktons. Sie enthalten kein Lignin.

Trotz dieser Unterschiede sind sich Bodenhumine und marine Humine, wie gesagt, chemisch sehr ähnlich: Alle Huminstoffe bestehen, unabhängig von ihrer Herkunft, aus einem Netzwerk hoch- und ultrahochverzweigter Strukturen, in die Anteile aromatischer Strukturen (ein bestimmter Typ organischer Moleküle) eingebettet sind. [28] Auch nehmen ihre Molekülgrößen keine deutlich unterschiedlichen Bereiche ein und liegen zwischen ein paar hundert und mehreren hunderttausend g/mol. [27] (Die Maßeinheit „Mol“ bezeichnet die Menge eines chemischen Stoffes, die seinem relativen Molekulargewicht in Gramm entspricht.)   (Abb. 13)

Abb 13: Beispielhafte Grundstruktur einer Huminsäure

Biochemische Modelle zur Huminstoffbildung

Für Chemie-Interessierte: Wie Huminstoffe entstehen

Derzeit [31] werden vier Modelle zur Bildung von Huminstoffen intensiv diskutiert. Jede dieser Theorien führt Belege an, hat aber auch Schwachstellen. Ohne an dieser Stelle zu sehr ins biochemische Detail gehen zu wollen, stellt sich die Huminstoffentstehung wie folgt dar:

Die Biopolymere toter Organismen, wie zum Beispiel Lipide, Kohlenhydrate, Eiweißstoffe, Lignine oder Pigmente, werden durch Mikroorganismen in kleinere Einheiten zerlegt: z. B. Fettsäuren, Aminosäuren, Aromaten, Phenole und organische Säuren. Diese kleineren Komponenten kondensieren oder polymerisieren dann zunächst zu Fulvinsäuren. Nach weiteren Kondensationen und Polymerisierungen bilden sich Huminsäuren und letztlich auch Humine. [26] Das Molekülgewicht steigt also, und es liegt ein aufbauender Prozess vor. 

Ein anderes Modell geht von derselben Ausgangssituation aus, unterscheidet sich aber im Weg. Hier werden die in Wasser unlöslichen Humine aus Algen und Bakterien im Sediment des Meeres über Oxidation abgebaut und zu Huminsäuren, die durch den Einbau bakteriell erzeugter Pflanzenmetabolite zu Fulvinsäuren werden. [29] Erst die Adsorption an mineralische Oberflächen ermöglicht eine Kondensation des organischen Materials. [30] 

Die anderen Theorien sind Varianten dieser beiden Grundprozesse. An ihrem Ende stehen jeweils gelbe bis braune Produkte, die mit Mumijo/Shilajit durchaus Ähnlichkeit haben und immer wieder auch Inhaltsstoffe enthalten, die in Mumijo/Shilajit nachgewiesen werden konnten. 

Das Problem mit Laboranalysen: Warum viele Prozentangaben falsch sind

Neuerdings findet man immer häufiger auf Mumijo/-Shilajit-Produkten die Auslobung von Huminsäuren und vor allem der Fulvinsäuren, die nachgewiesenermaßen entzündungshemmende Wirkung haben.

Dabei gibt es folgende Problematik: Humin- und Fulvinsäuren bezeichnen keine klar abgegrenzten chemischen Verbindungen oder spezifischen Moleküle, sondern werden nach ihrer Löslichkeit in wässrigen Lösungen unterschiedlicher pH-Werte (von alkalisch bis sauer) unterschieden.

  • Huminsäuren: Sind ausschließlich unter alkalischen Bedingungen löslich.

  • Fulvinsäuren: Bleiben sowohl im alkalischen als auch im sauren Milieu löslich.

  • Humine: Bezeichnet die Anteile, die selbst unter alkalischen Bedingungen unlöslich sind.

Somit beruhen die Abgrenzungen der verschiedenen Huminstofffraktionen mangels bestimmbarer Molekülstrukturen ausschließlich auf der Löslichkeit unter definierten Bedingungen und können nicht über direkte Analysenverfahren bestimmt werden, sondern werden über indirekte Parameter ermittelt. Die ISO-Norm 19822, die sich seit 2018 zum Standard der Humin- und Fulvosäure-Analytik (allerdings für Düngemittel!) entwickelt hat, geht als gravimetrisches Verfahren im Prinzip wie folgt vor:

  1. Die Proben werden in einer Natriumhydroxid-Lösung extrahiert.

  2. Nach dem Ansäuern wird die Lösung zentrifugiert, um die Huminsäure (gefällt) von der Fulvinsäurefraktion (gelöst) zu trennen.

  3. Da das eingesetzte Gewicht bekannt ist, ermittelt man nach der Trennung die Masse an Huminsäure, der Rest in Lösung muss folglich Fulvinsäure sein.

Aus diesem Vorgehen ist sehr leicht zu erkennen, dass bei einem Sinken der Huminsäure-Fraktion automatisch der Fulvinsäure-Gehalt steigt. Die sich ergebenden Gehalte in % täuschen somit eine Präzision vor, die die Methode nicht hergibt. Die Richtigkeit kann nur verbessert werden durch eine größere Anzahl an Einzeluntersuchungen mit statistischer Behandlung des Endergebnisses.

Man darf sich also nicht täuschen lassen: Ein Mumijo mit einem Gehalt von 75 % Fulvinsäuren muss nicht „besser“ oder „wertvoller“ sein als eines mit „nur“ 55 %, da die Ermittlung des wahren Gehaltes sehr fehlerbehaftet ist.

Di-benzo-α-pyrone: Die geheimen Transporthelfer

Di-benzo-α-pyrone sorgen unter anderem dafür, dass die Mineralstoffe überhaupt erst in die menschliche Zelle eingeschleust werden können.

Diese Stoffgruppe trat ab den 90er Jahren bei der Strukturaufklärung der Fulvinsäuren  in den Fokus der Mumijo/Shilajit- Forschung. Oxygenierte Di‑benzo‑α‑pyrone als Proteinbestandteile von Chromoproteinen wurden von Ghosal 2004 in einer Menge von 10–18 % in der wasserlöslichen Fraktion nachgewiesen. Ca. 30 % des Kerngerüstes der Fulvine bestehen aus konjugierten Di-benzo-α-pyron-Varianten.

Die Verbindung entsteht als Metabolit aus Fettsäuren wie den Omega-Fettsäuren DHA und EPA. Diese Fettsäuren kommen in größeren Mengen marin in der Alge Schizochytrium vor.

Di-benzo-α-pyrone sind in der Lage, mit Metallionen Einschlussverbindungen und Addukte zu bilden, die als sehr komplexe Raumstrukturen (Abb. 15a–b) sogar unter dem Elektronenrastermikroskop (Abb. 15 b) bei 71.000-facher Vergrößerung) sichtbar sind.

Diese komplexen Strukturen stehen unter Beobachtung, selektive Transportvehikel für Metallionen zu sein und diese in Zellen einschleusen zu können, was erklären könnte, warum im Mumijo/Shilajit subtherapeutische Dosierungen dennoch Wirkungen erzeugen, was   mit schulmedizinischen Modellen derzeit nicht erklärbar ist. 

Eine weitere interessante Stoffgruppe sind die sog. Fusome, heterocyclische niedermolekulare Fulvinsäure- Polykondensate, denen ebenfalls Carrier-Eigenschaften für organische und anorganische Mumijo/Shilajit-Inhaltsstoffe zueigen sind.

Wie entsteht echtes Mumijo/Shilajit?

Wie bereits im Abschnitt „Entstehung“ ausgeführt, ist diese bis heute noch weitgehend ungeklärt. Wenn man sich jedoch mit den Huminstoffen näher beschäftigt, erkennt man, warum ihre Entstehung und ihre Beschreibung so schwierig ist, bedenkt man, dass keine zwei Huminsäuremoleküle in einer Probe identisch sind.

Abb. 13 zeigt stark schematisiert und vereinfacht einen Ausschnitt aus einer Grundstruktur eines Huminsäuremoleküls. Wir haben es mit einem hochkomplexen Molekül zu tun, dass man aber nicht „im Stück“ analysieren kann, sondern nur die Komponenten, nachdem sie aus dem Molekül herausgelöst wurden. 

Zunehmend verdichten sich, wie zuvor dargelegt, die Hinweise auf einen fossilen Ursprung, wenn auch Fantasie nötig ist, sich Entsprechendes vorzustellen; so wie es für uns schwer vorstellbar ist, dass ganze Kontinente auseinanderdriften oder kollidieren und sich dabei in der Kollisionszone riesige Gebirge auftürmen, die bis heute in Bewegung sind, Fossilien in Gebirgen gefunden werden, Meere kommen und verschwinden.

Ebenso schwer vorstellbar sind die Mengen an Sediment, das oft aus den versteinerten Schalen von Meerestieren gebildet wurde und ganze Gebirge bildet, oder Kohleflöze in Tiefen von bis zu 5000 m, die einmal urzeitliche Wälder waren, und Erdölfelder als fossile Rückstände vergangenen Lebens.

Wir tun uns schwer, in derart großen und zeitlich weitreichenden Dimensionen zu denken. Dennoch ist es wahrscheinlich, dass Mumijo/Shilajit genau so entstanden ist und an einigen geologisch sehr aktiven Zonen wie dem Himalaya und seinen angrenzenden Gebirgen an die Oberfläche tritt. Es wäre auch eine Erklärung für die relativ große Menge der nachgewiesenen Inhaltsstoffe, die überall relativ ähnlich ist, bei sehr unterschiedlichen biologischen Voraussetzungen. 

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